Krieg und seine Spuren in den Bieszczady
Der Erste Weltkrieg hinterließ in den Bieszczady Tausende von Soldatengräbern der Armeen Österreich-Ungarns, Russlands und Deutschlands. Viele von ihnen erhielten keine würdige Bestattung – ihre Gräber wurden im Laufe der Zeit verwischt und die Erde ebnete sie ein. An den Schauplätzen der heftigsten Kämpfe entstanden zahlreiche Sammel- und Einzelgräber, meist namenloser Helden, die oft von ihren Kameraden in kurzen Ruhepausen zwischen den Kämpfen errichtet wurden.
Józef Pawłusiewicz beschreibt in seinem Buch „Am Grund des Sees“ das dramatische Schicksal eines Kavallerie-Regiments: Ein russisches Regiment geriet in einen Hinterhalt bei Werlas und verlor innerhalb weniger Minuten etwa 250 Männer inklusive des Kommandanten. Die Gefallenen wurden in einem Massengrab auf einem alten Gutshof im Wald beigesetzt. Leider kümmerte sich damals keine Behörde um ihren letzten Ruheplatz.
Entstehung des Friedhofs
Die Gegend um Lesko war Schauplatz intensiver Schlachten und Gefechte. Von Juli 1914 bis September zwang die vorrückende russische Armee die österreichisch-ungarischen Truppen nach einer verlorenen Schlacht zum Rückzug in Richtung Baligród. Am 5. Oktober vertrieben die österreichisch-ungarischen Einheiten unter General Kovacs die Russen aus Lesko, doch nach schweren Kämpfen eroberten die Russen die Stadt am 7. November erneut. Die Österreicher zogen sich nach Tarnawa und Sanok zurück.
Der Winter 1914–1915 brachte weitere heftige Kämpfe in der Region Lesko und entlang der Linie Baligród–Cisna. Die große Zahl der Gefallenen und der in Feldlazaretten Verstorbenen machte die Anlage eines Kriegfriedhofs neben dem alten Pfarrfriedhof notwendig. Die ersten Beisetzungen betrafen Soldaten, die an Verwundungen und Krankheiten in Lazaretten gestorben waren, unter anderem im Schloss der Familie Krasicki und im griechisch-katholischen Pfarrhaus, das sich an der Stelle des heutigen Bezirkskrankenhauses in Lesko befindet.
Organisation und Bau des Friedhofs
Der Bau des Friedhofs wurde von der Kriegsgräberabteilung – K. und K. Kriegsgräberabteilungs Komando Nr. 4 – überwacht, die in Rymanów unter dem Kommando der Festung Przemyśl stationiert war. Diese Abteilung war auch für andere Kriegsfriedhöfe zuständig, zum Beispiel in Komańcza, und verwendete dabei einen ähnlichen architektonischen Stil.
Die Arbeiten am Friedhof wurden von Kriegsgefangenen durchgeführt – Russen und Serben –, die als ausgezeichnete Handwerker in der Holzbearbeitung galten. Die Stadt Lesko zeigte Interesse an dem Projekt, vor allem wegen der Notwendigkeit, Soldaten, die provisorisch in der Umgebung beigesetzt worden waren, umzubetten. Die Bauaufsicht lag bei Filip Votruba, k.u.k. Bezirkspolizeikommandant der Gendarmerie.
Die Beisetzungen wurden nicht nach Armeezugehörigkeit getrennt. Alle Gefallenen ruhen gemeinsam – „im Leben zerstritten, im Tod versöhnt“. Die genaue Führung der Sterberegister war aufgrund der ständigen Bewegung von Einheiten und Lazaretten sowie der Belagerung der Festung Przemyśl schwierig.
Erscheinungsbild des Friedhofs in den Jahren 1916–1939
Auf einer Fläche von etwa 1450 m² befanden sich 31 Massengräber sowie mehrere Einzelgräber. In den Massengräbern wurden jeweils 20–30 Gefallene beigesetzt. Es wird geschätzt, dass auf dem Friedhof etwa 600 Soldaten aus drei Armeen ruhen. Die in der Region kämpfenden Armeen waren multinational und umfassten auch Polen, die häufig zum Dienst unter fremden Flaggen gezwungen wurden. Die k.u.k. Armee bestand aus Österreichern, Bosniern, Kroaten, Tschechen, Slowaken, Slowenen, Ungarn, Rumänen und Ukrainern. Im Bündnis mit Russland kämpften Serben. Auf dem Friedhof ruhen Angehörige der römisch-katholischen, evangelischen, orthodoxen und griechisch-katholischen Kirchen sowie Muslime.
Auf den Massengräbern standen Eichenpfähle mit einem Durchmesser von ca. 30 cm und einer Höhe von etwa 70 cm, die oben im 45°-Winkel abgeschrägt waren. Auf der Vorderseite befand sich ein Kreuz aus dünnem Blech oder Metallflachstahl, darunter Metallplaketten mit Informationen zu den Begrabenen. Die Einzelgräber waren mit niedrigen Holzkreuzen oder Metallkreuzen gekennzeichnet.
Das Eingangstor bestand aus Holzbalken und Latten, flankiert von Pfeilern mit halbkreisförmigen Bogenverbindungen. An der Spitze war die lateinische Inschrift angebracht:
„MORS SOLA VICTRIX – GLORIA VICTRIS“
(„Denn nur der Tod ist der Sieger, daher Ehre den Besiegten“).
Darunter befanden sich Tafeln mit Inschriften in den Sprachen Polnisch, Russisch, Deutsch und Serbisch. Das Zentrum des Friedhofs schmückte ein hoher Kreuz, umgeben von einem Erdhügel mit einer Inschrifttafel in drei Sprachen: Polnisch, Russisch und Deutsch.
Der Friedhof war mit Stacheldraht eingezäunt, der an militärische Sperren erinnerte.
Feierliche Einweihung und spätere Schicksale
Am 30. April 1916 fand eine feierliche Trauerprozession von der Pfarrkirche und der Kirche des Heiligen Nikolaus statt, die von Geistlichen verschiedener Konfessionen geleitet wurde. An der Prozession nahmen die Bewohner von Lesko, Vertreter der Behörden sowie Offiziere und Soldaten der österreichisch-ungarischen Armee teil. Die Veranstaltung hatte einen patriotisch-religiösen Charakter und war ein Ausdruck der Ehrung der Gefallenen.
Nach dem Krieg überführten Familien, die dazu in der Lage waren, die Überreste ihrer Angehörigen in die Heimat, wie zum Beispiel die Frau eines österreichischen Oberstleutnants, die den Leichnam ihres Mannes nach Bosnien brachte.